Wie weiter nach dem Krankenhaus?
Verein Theranetz unterstützt Menschen mit Pflegebedarf oder Therapiewunsch.
In Berlin gibt es seit einem Jahr einen Verein, der Menschen mit einem
Pflegebedarf hilft, die passenden Behandlungsangebote für sich herauszufinden.
Theranetz versteht sich als Schnittstelle zwischen Krankenhaus, Rehabilitation
und Therapie.
Welche Hilfe kann ein Mensch in Anspruch nehmen, wenn er nach einer schweren
Krankheit, wie beispielsweise einem Schlaganfall, aus dem Krankenhaus
entlassen und dann gepflegt werden muss? Die meisten Betroffenen und deren
Angehörige können diese Frage nicht beantworten. Sie wissen nicht, was ihnen
von ihren Krankenkassen zusteht, was sie zusätzlich selbst bezahlen können und
wie sie an die Angebote überhaupt herankommen. Dabei will das Berliner
Netzwerk für Gesundheit Theranetz helfen.
Theranetz spinnt die Fäden zwischen Krankenhaus, Reha und Heilmittelerbringern
(Therapeuten).
Uwe Hamann, Logopäde und Vorsitzender des Vereins,
bezeichnet die gegenwärtige Situation im Gesundheitswesen als katastrophal, da
der Austausch zwischen den Beteiligten nicht funktioniert und der Patient dann
allein gelassen wird.
Frau H. (66 Jahre) rief bei Theranetz an, weil sie nicht weiter wusste. Ihr
Mann (71 Jahre) war nach einem Schlaganfall aus Klinik und Rehabilitation
entlassen. Sie selbst pflegte ihn. Seit einiger Zeit aber sprach und bewegte
er sich nicht mehr, zitterte dafür stark. Sein Körper wurde immer fülliger;
für die Frau ein Unding, ihn weiter zu versorgen. Beide versanken in
Hoffnungslosigkeit. Nachdem sie eine Zeit in einer psychiatrischen Fachklinik
verbracht hatten, organisierte Theranetz in Absprache mit dem Neurologen eine
ergotherapeutische und logopädische Behandlung für Herrn H. Seine Frau erhielt
eine Beratung für Management und Pflege, so dass sie danach für ihren Mann die
Pflegestufe II beantragen konnte. Seitdem der Mann nun täglich zwei Stunden
vom Pflegedienst betreut wird, hat seine Frau wieder mehr Zeit für sich
selbst. Beide sind voller Optimismus. Für die extremen Sprachschwierigkeiten
des Mannes wurde ein Sprachcomputer angefordert, der seine Wünsche äußert.
Mittlerweile spricht er wieder etwas mehr und ist überzeugt, dass sich seine
Lebensqualität entscheidend verbessert hat. Außerdem geht er seit kurzem erste
Schritte. Das Ehepaar nimmt wieder aktiv am Leben teil.
Zu Theranetz gehören neben medizinischen Pflegediensten auch Logopäden,
Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Rechtsanwälte, Selbsthilfegruppen für
Schlaganfälle und Parkinson. Mittlerweile trifft man in jedem Berliner
Stadtbezirk auf zwei Ansprechpartner.
In den Sprechzeiten des Vereins werden Menschen beraten,
weiter verwiesen oder in besonderer Weise gepflegt. Alle Vereinsmitglieder
sind therapeutisch geschult, erkennen das Krankheitsbild des Einzelnen. Sie
wissen, was ihm medizinisch zusteht und können sich mit den Ärzten im Sinne
des Patienten auseinandersetzen. Viele Betroffene (Aphasie) oder deren
Angehörige vermögen ja gerade dieses nicht.
Theranetz setzt dann ihre Ansprüche durch – unentgeltlich,
weil der Verein möchte, dass kranke Menschen die Gesundheitsangebote erhalten,
die ihnen zustehen.
Der Verein kooperiert mit Therapienetzen in den anderen Bundesländern, zwecks
gegenseitiger Unterstützung und medizinischen Austauschs. Außerdem bietet die
Organisation Weiterbildung für Ärzte, Fachtherapeuten und Pflegekräfte an.
Theranetz Netzwerk für Bildung und Gesundheit
Petersburger Platz 3 , 10249 Berlin
Tel. (030) 46 99 70 55 Fax: (030) 420 27 27 8
E-Mail: info@theranetz.de, Internet:
www.theranetz.de
Quelle: Elfi Schramm, Tageszeitung ND am 15.11.05